
Du nimmst PrEP und willst in die private Krankenversicherung wechseln? Dann hast du vermutlich bereits festgestellt: Das ist nicht ohne. Die meisten Versicherer lehnen PrEP-Nutzer ab. Aber es gibt Wege. Und die zeige ich dir in diesem Beitrag.
Vorweg: Ich erlebe in meiner Beratung immer häufiger, dass das Thema PrEP bei der PKV-Suche eine Rolle spielt. Gerade weil immer mehr Menschen diese verantwortungsvolle Präventionsmaßnahme für sich wählen, ist es wichtig, die Situation realistisch einzuschätzen und die passende Strategie zu entwickeln.
Eines gleich am Anfang: Ja, es ist möglich, trotz PrEP-Einnahme in die PKV aufgenommen zu werden. Aber der Markt ist eng geworden und du brauchst die richtige Vorgehensweise.
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PrEP steht für Prä-Expositionsprophylaxe. Es handelt sich um ein Medikament (Tenofovirdisoproxil und Emtricitabin), das HIV-negative Menschen einnehmen, um sich vor einer HIV-Infektion zu schützen. Bei korrekter Einnahme ist die PrEP hocheffektiv und verhindert zuverlässig HIV-Infektionen.
Seit dem 1. September 2019 übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten der PrEP für Menschen mit einem erhöhten HIV-Infektionsrisiko. Für Privatversicherte trat am 1. Dezember 2020 eine Rahmenvereinbarung zwischen dem PKV-Verband und der dagnä (Deutsche Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter) in Kraft.
Diese Rahmenvereinbarung regelt die Kostenübernahme für bereits Versicherte. Aber: Der Zugang als Neukunde ist ein völlig anderes Thema.
Ein häufiger Irrtum ist die Annahme, dass die PrEP-Einnahme für Versicherer irrelevant sein müsste, weil sie keine ernsthaften Nebenwirkungen oder Langzeitfolgen habe.
Aus meinen Gesprächen mit Versicherern ergibt sich jedoch ein anderes Bild: Die Sorge vor Nebenwirkungen ist gar nicht der ausschlaggebende Faktor. Viel mehr geht es darum, dass PrEP-Anwender aus Sicht der Versicherer aufgrund der ungeschützten sexuellen Kontakte ein erhöhtes Risiko haben, sich mit anderen sexuell übertragbaren Krankheiten (STI) anzustecken.
Die Logik der Versicherer: Die PrEP schützt vor HIV, aber nicht vor Gonorrhoe, Syphilis, Chlamydien oder Hepatitis. Und diese Erkrankungen sowie deren mögliche Folgen können für die PKV erhebliche Kosten verursachen.
⚠️ Wichtig: Versicherer kalkulieren risikobasiert. Sie bewerten nicht den Menschen, sondern statistische Wahrscheinlichkeiten. Das mag sich diskriminierend anfühlen, ist aber die Realität des Versicherungsmarktes.
Die ehrliche Antwort: Die Auswahl ist stark eingeschränkt. In den letzten Jahren sind die Versicherer restriktiver geworden und die Anbieterauswahl ist zusammengeschrumpft.
Nach meiner aktuellen Erfahrung ist die R+V derzeit der einzige Versicherer, der PrEP-Nutzer im Normalverfahren aufnimmt. Bei der DKV ist der reguläre Weg verschlossen, aber über einen Gruppenvertrag kann ein Zugang möglich sein.
Der Markt ist dynamisch. Was heute gilt, kann morgen anders aussehen. Deshalb führe ich kontinuierlich anonyme Voranfragen durch, um den aktuellen Stand zu kennen.
| Kondition | Bedeutung für dich |
| Normalannahme | Aufnahme ohne Einschränkungen (sehr selten bei PrEP) |
| Leistungsausschluss | PrEP und damit verbundene Leistungen sind vom Versicherungsschutz ausgenommen. Alle anderen PKV-Leistungen bleiben erhalten. |
| Risikozuschlag | Erhöhter monatlicher Beitrag aufgrund des eingeschätzten Risikos |
| Ablehnung | Kein Versicherungsschutz möglich bei diesem Anbieter |
In der Praxis läuft es bei erfolgreichen Anträgen meist auf einen Leistungsausschluss rund um die PrEP hinaus. Das bedeutet: Die Kosten für das PrEP-Medikament, die Beratung und die erforderlichen Begleituntersuchungen werden nicht übernommen. Alle anderen Leistungen der privaten Krankenversicherung bleiben aber vollumfänglich bestehen.
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Ein Kunde kam zu mir mit dem Wunsch, in die PKV zu wechseln. Er nahm PrEP und hatte keine weiteren Vorerkrankungen. Im Rahmen der anonymen Risikovoranfragen erhielten wir von einem Versicherer das Angebot, ihn mit einem Leistungsausschluss rund um die PrEP zu versichern.
Das Ergebnis: Der Kunde ist jetzt privat krankenversichert, genießt alle Vorteile der PKV und trägt lediglich die PrEP-Kosten selbst. Die monatlichen Kosten für das Generikum liegen bei etwa 40 bis 70 Euro, was viele als akzeptablen Kompromiss sehen.
Bei einem anderen Kunden war zusätzlich zur PrEP eine sexuell übertragbare Krankheit in den letzten Jahren dokumentiert. Der erste Versicherer lehnte ab. Am Ende konnten wir ihn aber über einen Gruppenvertrag unterbringen, den sein Arbeitgeber anbot. Auch hier mit Leistungsausschluss rund um die PrEP.
Das zeigt: Selbst wenn der reguläre Weg versperrt ist, gibt es oft noch Alternativen.
Gruppenverträge sind in vielen Fällen der Schlüssel zum PKV-Zugang. Sie bieten oft erleichterte Annahmebedingungen, weil das Risiko auf eine größere Gruppe verteilt wird.
💡 Tipp: Bei der Zugangsmöglichkeit über einen Gruppenvertrag sollten alle Wege geprüft werden. So kann es sein, dass man über den Ehepartner oder andere Familienmitglieder (z. B. ein Elternteil ist Arzt) teilnehmen kann, auch wenn man selbst alleine gar nicht zugangsberechtigt gewesen wäre.
Für Beamte gibt es einen besonderen Zugangsweg: die sogenannte Öffnungsaktion. Sie verpflichtet teilnehmende Versicherer, Beamte unabhängig von Vorerkrankungen aufzunehmen. Allerdings können Risikozuschläge erhoben werden.
Wenn du Beamter bist und die PrEP nimmst, ist die Öffnungsaktion möglicherweise dein Weg in die PKV.
Eine Frage, die ich oft höre: "Was rätst du jemandem, der überlegt, mit PrEP anzufangen, aber auch einen PKV-Wechsel plant?"
Meine Empfehlung ist klar: Erst in die PKV wechseln, dann das Thema PrEP angehen.
Der Grund ist einfach: Sobald du einmal privat versichert bist, kann dir der Versicherer nicht mehr kündigen, wenn sich dein Gesundheitszustand ändert oder du neue Medikamente einnimmst. Die Vertragsfreiheit gilt nur bei Vertragsabschluss. Danach bist du im Bestand geschützt.
⚠️ Achtung: Es gibt auch Fälle, in denen der Kunde zwar in der Vergangenheit PrEP-Anwender war, die Einnahme aber bereits aus den Abfragezeiträumen der Versicherer gefallen ist. Die meisten Versicherer fragen nach den letzten drei bis fünf Jahren. Wenn du in dieser Zeit keine PrEP genommen hast, muss sie bei den Gesundheitsfragen nicht mehr angegeben werden.
Manche denken: "Kann doch keiner nachprüfen." Das ist ein gefährlicher Trugschluss.
Wenn du bei den Gesundheitsfragen die PrEP-Einnahme verschweigst und der Versicherer das später herausfindet (etwa durch Arztberichte bei einem Leistungsfall), verlierst du deinen Versicherungsschutz. Der Versicherer kann den Vertrag anfechten oder kündigen. Im schlimmsten Fall stehst du ohne Krankenversicherung da.
Ich habe das in meiner Beratungspraxis zwar noch nicht erlebt, aber das Risiko ist real und die Konsequenzen sind gravierend.
💡 Mein Rat: Sei bei den Gesundheitsfragen immer ehrlich und vollständig. Die kurzfristige Hürde ist besser als die langfristigen Konsequenzen einer Anzeigepflichtverletzung.
Was ist, wenn der Wechsel in die PKV trotz aller Bemühungen nicht möglich ist? Es gibt Alternativen:
Du bleibst in der GKV und stockst deinen Schutz mit privaten Zusatzversicherungen auf. Damit kannst du bestimmte Leistungen absichern, die in der gesetzlichen Kasse nicht oder nur eingeschränkt enthalten sind:
Manche Arbeitgeber bieten eine betriebliche Krankenzusatzversicherung an. Der Vorteil: Oft gibt es hier keine oder nur vereinfachte Gesundheitsfragen. Das kann eine Möglichkeit sein, zusätzliche Leistungen zu erhalten, ohne die üblichen Hürden.
Wenn du aktuell in der PKV bist und vorübergehend zurück in die GKV musst, kann eine kleine Anwartschaft sinnvoll sein. Damit sicherst du dir das Recht, später ohne erneute Gesundheitsprüfung in deinen alten Tarif zurückzukehren.
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Leider ist der Trend negativ. In den letzten Jahren sind die Versicherer restriktiver geworden. Gesellschaften, die früher noch PrEP-Nutzer aufgenommen haben, lehnen heute ab.
Die Hoffnung, dass die PKV-Branche sich der gesellschaftlichen Realität anpasst, hat sich bisher nicht erfüllt. Die Versicherer agieren vorsichtig und warten ab, wie sich die Datenlage zu Langzeitkosten entwickelt.
Das bedeutet für dich: Wenn du aktuell die Möglichkeit hast, in die PKV zu wechseln, solltest du sie nutzen, bevor sich die Bedingungen weiter verschlechtern.
In meiner Beratung gehe ich ganz normal vor. Im ersten Schritt besprechen wir deine Gesundheitshistorie gemeinsam und arbeiten sie strukturiert auf. Dabei ist es wichtig, dass du alle relevanten Informationen offenlegst.
Meine Aufgabe ist es dann, für dich im Rahmen anonymer Risikovoranfragen herauszufiltern, ob es passende Gesellschaften gibt, die dich aufnehmen möchten. Das Ganze läuft anonym ab, sodass eine Ablehnung keine negativen Auswirkungen auf zukünftige Anträge hat.
Erst wenn wir wissen, welcher Versicherer dich zu welchen Konditionen aufnehmen würde, stellen wir einen verbindlichen Antrag.
Ja, unbedingt. Bei den meisten Versicherern musst du ärztlich verordnete Medikamente angeben. Die PrEP fällt darunter. Das Verschweigen ist eine Anzeigepflichtverletzung und kann zum Verlust des Versicherungsschutzes führen.
Für Bestandskunden haben viele Versicherer die Kostenübernahme geregelt. Ob dein Tarif die PrEP abdeckt, hängt vom konkreten Versicherer und Tarif ab. Bei Neukunden wird die PrEP hingegen oft ausgeschlossen.
Das Generikum kostet derzeit etwa 40 bis 70 Euro pro Monat. Dazu kommen die Kosten für die regelmäßigen Begleituntersuchungen (HIV-Tests, STI-Screenings), falls diese nicht von der Versicherung übernommen werden.
Nein. Wenn du bereits privat versichert bist und dann mit der PrEP beginnst, kann dir der Versicherer nicht kündigen. Die Vertragsfreiheit gilt nur bei Vertragsabschluss, nicht im laufenden Vertrag.
Die Abfragezeiträume variieren je nach Versicherer. In der Regel werden die letzten drei bis fünf Jahre abgefragt. Wenn du in der Vergangenheit PrEP genommen hast, aber bereits außerhalb des Abfragezeitraums liegst, muss sie nicht mehr angegeben werden.
Ja, die Mehrheit der Versicherer lehnt PrEP-Nutzer aktuell ab. Darunter sind auch große Namen wie Allianz, AXA und HUK-Coburg. Die Auswahl an aufnahmebereiten Versicherern ist stark eingeschränkt.
Die Situation für PrEP-Nutzer auf dem PKV-Markt ist herausfordernd. Die meisten Versicherer lehnen ab, die Auswahl ist eng. Aber es gibt Wege.
Ob über den einen offenen Versicherer, einen Gruppenvertrag oder die Beamten-Öffnungsaktion: Mit der richtigen Strategie und einer gründlichen Vorbereitung ist der PKV-Zugang auch mit PrEP möglich.
Wichtig ist, dass du nichts überstürzt. Anonyme Risikovoranfragen schützen dich vor negativen Konsequenzen und geben dir einen klaren Überblick über deine Optionen. Und wenn der PKV-Zugang nicht möglich ist, gibt es Alternativen wie Zusatzversicherungen, mit denen du deinen Schutz verbessern kannst.
Wenn du dir unsicher bist, welche Option für dich die beste ist, dann lass uns darüber sprechen. Ich rechne dir ehrlich durch, was möglich ist und was nicht.