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Wie sehr steigt der Beitrag in der PKV?

Von Beitragsanpassungen in der privaten Krankenversicherung sind viele Versicherte betroffen. Doch weshalb und wie sehr steigt der Beitrag in der PKV?

Jahr für Jahr versenden die privaten Krankenversicherer Mitteilungen an ihre Kunden, die über eine bevorstehende Beitragsanpassung informieren. Betroffen sind davon sowohl Volltarife, als auch Pflege- und Krankenzusatzversicherungen. Die Beitragsanpassungen sollen steigende Gesundheitskosten auffangen und neue, innovative Behandlungsmethoden ermöglichen. Dennoch bleibt für viele Verbraucher die Frage offen, wie sehr ihr Beitrag in der PKV steigt.

Wie sehr steigt der Beitrag in der PKV?

Eine Beitragserhöhung von 3,5 Prozent ist bei einer privaten Krankenversicherung als normal zu betrachten. Es gibt Gesellschaften, die jahrelang auf eine Erhöhung verzichten. Allerdings müssen diese bei der nächsten Anpassung eine große Differenz zwischen kalkulierten und tatsächlichen Kosten ausgleichen. In diesem Fall kann es durchaus zu Beitragsanpassungen von 20 Prozent und mehr kommen. 2017 beispielsweise musste die AXA einen Krankenversicherungstarif um etwa 50 Prozent anpassen, da sie die Jahre zuvor keine Änderungen vornahm. Während andere Gesellschaften die Beiträge kontinuierlich und beständig erhöhten, mussten AXA-Kunden prompt eine deutlich höhere Prämie in Kauf nehmen.

Die Mitteilungen über mögliche Beitragserhöhungen der PKV 2020 werden erst Ende des Jahres verschickt. Versicherte, die von einer Beitragsanpassung betroffen sind, erhalten spätestens im Dezember 2019 eine entsprechende Information.

Deshalb steigt der Beitrag in der privaten Pflegeversicherung

2019 mussten privat Pflegeversicherte mit einer starken Beitragserhöhung rechnen. Davon war ein Großteil aller Versicherten betroffen. Wurde bisher keine Beitragsanpassung vorgenommen, lässt sich nicht ausschließen, dass der Beitrag für die PKV im nächsten Jahr steigt.

Grund dafür ist die vom Bund ins Leben gerufene Pflegereform. Diese trat Anfang 2019 in Kraft und soll die Versorgung im Pflegefall deutlich verbessern. Da verbesserte Leistungen und ein früherer Anspruch auf Pflegegeld zu einer Kostensteigerung führen, müssen die Gesellschaft ihre Beträge erhöhen.

Hinweis: Von der Pflegereform ist nicht nur die private Krankenversicherung betroffen. Auch der Beitragssatz der gesetzlichen Pflegeversicherung stieg 2019 um 0,5 Prozent.

Wieso gibt es Beitragsanpassungen in der privaten Krankenversicherung?

Neben der Frage, wie sehr der Beitrag in der PKV steigt, möchten viele Versicherte wissen, wieso die Gesellschaften Beitragsanpassungen vornehmen. Ein wesentlicher Grund dafür sind die garantierten Leistungen, die kein Versicherer ohne Zustimmung des Kunden kürzen darf. Bei Vertragsabschluss vereinbaren Antragsteller und Versicherer einen Versicherungsschutz, der den Kunden lebenslang garantiert wird. Allerdings herrscht in der Medizin kein Stillstand. Neue Behandlungsmethoden etablieren sich und steigende Kosten erhöhen die Ausgaben der Gesellschaften.

Mit einer Beitragsanpassung der privaten Krankenversicherung reagieren die Versicherer auf Veränderungen in der Medizin. Da sie ohne Zustimmung der Versicherungsnehmer keine Leistungen kürzen oder ausschließen dürfen, erweitern sie den Versicherungsschutz stattdessen. So übernehmen sie beispielsweise die Kosten für neue, moderne Verfahren. Diese Leistungssteigerungen führen allerdings auch dazu, dass die Gesellschaften ihre Beiträge anpassen.

Rechtliche Grundlagen für eine Beitragsanpassung in der PKV

Das Versicherungsaufsichtsgesetz legt die rechtlichen Grundlagen für die Kalkulation der Beiträge fest. Diese Regelungen gelten auch für eine Beitragsanpassung. Im ersten Schritt müssen die privaten Krankenversicherer ihre erbrachten Leistungen mit den von ihnen kalkulierten Leistungen vergleichen. Dies erfolgt nicht allgemein übergreifend, sondern wird in verschiedene Beobachtungseinheiten eingeteilt:

  • Erwachsene, Jugendliche und Kinder (Unisex-Tarife)
  • Kinder, männliche und weibliche Jugendliche sowie männliche und weibliche Erwachsene (bei Altverträgen)

Zeigt eine dieser Beobachtungseinheiten eine Abweichung von mehr als zehn Prozent, überprüft der Versicherer die Prämien der Betroffenen. Eine Beitragsanpassung findet statt, wenn sich bei der Überprüfung feststellen lässt, dass die Kalkulation dauerhaft von den tatsächlichen Leistungen abweicht. Die Abweichung kann auch nur vorübergehend sein, beispielsweise aufgrund einer Grippewelle oder einen kostspieligen Schadensfall einer versicherten Person. In diesem Fall darf die Gesellschaft keine Beitragsanpassung vornehmen.

Hinweis: Eine Beitragsanpassung bedeutet nicht automatisch, dass der Beitrag in der PKV steigt. Stehen die Prämien in einem höheren Verhältnis zu den Ausgaben, senken die Gesellschaften die Beiträge. Zunehmende Gesundheitskosten und die steigende Lebenserwartung führten in den letzten Jahren jedoch überwiegend zu Erhöhungen.

Überprüfung durch Treuhänder

Das Versicherungsaufsichtsgesetz schreibt vor, dass eine Beitragserhöhung stets durch fachlich versierte und unabhängige Personen geprüft werden muss. Treuhänder überprüfen die Faktoren der Beitragsanpassungen und achten darauf, dass die Versicherungen die rechtlichen Grundlagen einhalten.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (kurz BaFin) stellt und beaufsichtigt die mathematischen Treuhänder zur Überprüfung der Faktoren und rechtlichen Grundlagen. Die Versicherungsmathematiker müssen der Beitragsanpassung zustimmen, bevor die Gesellschaften diese an die Versicherten weitergeben darf.

Versicherungsaufsichtsgesetz § 155 Prämienänderungen:

 „Bei der nach Art der Lebensversicherung betriebenen Krankenversicherung dürfen Prämienänderungen erst in Kraft gesetzt werden, nachdem ein unabhängiger Treuhänder der Prämienänderung zugestimmt hat. Der Treuhänder hat zu prüfen, ob die Berechnung der Prämien mit den dafür bestehenden Rechtsvorschriften in Einklang steht. Dazu sind ihm sämtliche für die Prüfung der Prämienänderungen erforderlichen technischen Berechnungsgrundlagen einschließlich der hierfür benötigten kalkulatorischen Herleitungen und statistischen Nachweise vorzulegen. (…)“

Tipps: Das können Sie bei steigenden Beiträgen in der PKV tun

Wer von steigenden Beiträgen der privaten Krankenversicherung betroffen ist, hat verschiedene Möglichkeiten, diesen zu entgehen. Grundsätzlich erhöhen nicht alle Versicherer die Prämien, auch gibt es Unterschiede innerhalb der Gesellschaften. Es ist daher nicht auszuschließen, dass ein Versicherer einen Tarif erhöht und einen anderen senkt.

1.     Tarifwechsel bei der Gesellschaft

Versicherungsnehmer haben das Recht, innerhalb der Gesellschaft ohne Gesundheitsprüfung in einen gleichwertigen Tarif zu wechseln. Möglich ist auch, einen Vertrag mit geringeren Leistungen zu wählen. Lediglich wenn der Versicherungsschutz umfangreicher ist, dürfen die Gesellschaften eine Gesundheitsprüfung sowie Wartezeiten voraussetzen.

Ein weiterer Vorteil bei einem Tarifwechsel innerhalb der Gesellschaft ist, dass die bereits gebildeten Altersrückstellungen beibehalten werden.

2.     PKV-Anbieter wechseln

Bei jungen Versicherten lohnt es sich unter Umständen, bei beständigen Beitragserhöhungen den Anbieter zu wechseln. Sie sind in vielen Fällen noch gesund und haben nur wenige Altersrückstellungen gebildet. Von einem Wechsel ist abzuraten, wenn die Versicherten zwischenzeitlich an Vorerkrankungen leiden oder bereits seit mehreren Jahren versichert sind.

3.     Selbstbehalt erhöhen

Der gewählte Selbstbehalt ist ein wesentliches Kriterium bei der Beitragsberechnung. Denn umso niedriger der Eigenanteil, desto teurer der Beitrag. Bei einer Beitragserhöhung besteht die Möglichkeit, den Selbstbehalt zu erhöhen, um die Prämie zu senken.

4.     Leistungen reduzieren

Wenn auch nur in Ausnahmefällen empfehlenswert, können Versicherte bei einer Beitragserhöhung Leistungen ausschließen, um die Kosten zu reduzieren. Der Verzicht auf eine Chefarztbehandlung oder das Krankenhaustagegeld kann die monatliche Prämie deutlich senken.

5.     Beratung durch einen Experten

Die private Krankenversicherung ist sehr umfangreich, weshalb Versicherte einiges beachten sollten. Nicht immer ist ein Versichererwechsel sinnvoll oder es gibt preiswertere Alternativen, ohne auf die gewünschten Leistungen verzichten zu müssen. Bevor Versicherungsnehmer bei steigenden Beiträgen der PKV selbstständig tätig werden, sollten sie sich von einem Versicherungsexperten beraten lassen.

Unabhängige Beratung zur privaten Krankenversicherung

Als unabhängiger Versicherungsmakler aus Köln berate ich meine Kunden mitunter zum Thema private Krankenversicherung. Ich überprüfe, wie sehr ihr Beitrag in der PKV steigt, und erörtere ihnen möglichen Optionen und Alternativen. Außerdem kläre ich, ob die Beitragsanpassung der Gesellschaft rechtens ist. Bei Bedarf helfe ich meinen Kunden, Widerspruch gegen die private Krankenversicherung einzulegen.

Möchten auch Sie von meinen Dienstleistungen profitieren oder haben Sie Fragen zur PKV oder anderen Versicherungen? Dann vereinbaren Sie einen unverbindlichen Beratungstermin mit mir. Nutzen Sie dafür mein Kontaktformular oder rufen Sie mich an.

Alexander Kuhlen - Versicherungsmakler Versicherungsmakler Köln, Private Krankenversicherung, Berufsunfähigkeit hat 4,91 von 5 Sternen 167 Bewertungen auf ProvenExpert.com