0221 / 222 02 931

Privat oder gesetzlich versichert im Referendariat: Vor- und Nachteile

Die gesetzliche bietet wie auch die private Krankenversicherung für Referendare Vor- und Nachteile. Welche sinnvoller ist, muss individuell betrachtet werden.

Die Krankenversicherung von Referendaren

In Deutschland unterliegt jede Person der Versicherungspflicht. Das bedeutet, sie muss sich entweder privat oder gesetzlich versichern. Doch während Angestellte für eine private Krankenversicherung verschiedene Voraussetzungen erfüllen müssen, können Referendare grundsätzlich zwischen der PKV und der GKV wählen. Dabei bieten beide Gesundheitssysteme Vor- und Nachteile.

Um zu entscheiden, ob eine private oder eine gesetzliche Krankenversicherung im Referendariat sinnvoll ist, müssen beide Systeme genauer betrachtet werden:

Haben Sie Fragen?

Die Vorteile einer privaten Krankenversicherung im Referendariat

  • Der Dienstherr zahlt Beihilfe

Mit dem Referendariat erfolgt im Regelfall die Verbeamtung auf Probe oder auf Widerruf. Damit sind die Referendare beihilfeberechtigt und der Dienstherr übernimmt je nach Bundesland mindestens 50 Prozent ihrer Krankheitskosten. Der Restbetrag wird über eine Beihilfeversicherung abgedeckt. Doch besteht der Beihilfeanspruch nur, wenn die Beamten eine private Krankenversicherung abschließen. Denn in der GKV erhalten Beamte keine Beihilfe, da die Krankenkassen keine speziellen Tarife für Beihilfeempfänger vorsehen.

  • Der Leistungsumfang ist höher

Der Leistungsumfang bei einer PKV ist oftmals besser. Von einer höheren Kostenerstattung beim Zahnarzt bis hin zu der Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer und Chefarztbehandlung im Krankenhaus.

  • Erleichterte Annahme bei Verbeamtung

Bis sechs Monate nach der erstmaligen Verbeamtung können Referendare die Öffnungsklausel nutzen. Damit können sie sich trotz bestehender Vorerkrankungen zu erleichterten Bedingungen in der PKV versichern.

  • Schnellere Terminvergabe bei Fachärzten

Privatpatienten erhalten im Regelfall schneller Termine bei Fachärzten als gesetzlich Versicherte.

  • Zugang zu neuen und innovativen Behandlungsmethoden

Privatversicherte haben einen schnelleren Zugang zu neuen Behandlungsmethoden. Auch innovative Therapien sind meist mitversichert, bei denen es in der GKV einer Zuzahlung bedarf.

  • Freie Arzt- und Krankenhauswahl

In der Regel sehen die PKV-Tarife eine freie Arzt- und Krankenhauswahl vor. Somit können die Versicherten selbst entscheiden, in welcher Klinik und von welchem Arzt sie sich behandeln lassen.

  • Es besteht eine Leistungsgarantie

Einmal vereinbarte Leistungen können vom Versicherer nicht gekürzt werden. Wohingegen der Gesetzgeber den Leistungsumfang der Krankenkassen reduzieren kann.

  • Individuelle Tarifgestaltung möglich

Privatversicherte können ihren Leistungsumfang und die Höhe der Erstattungen bedarfsgerecht und nach eigenem Ermessen festlegen.

  • Je nach Tarif: Beitragsrückerstattung bei Leistungsfreiheit

Abhängig vom gewählten Tarif kann bei Leistungsfreiheit eine Rückerstattung von bis zu sechs Monatsbeiträgen möglich sein.

Die Nachteile einer privaten Krankenversicherung im Referendariat

  • Gesundheitsprüfung bei Vertragsabschluss

Bei Vertragsabschluss sehen die Versicherer eine Gesundheitsprüfung vor. Dabei können Vorerkrankungen zu Ausschlüssen, Risikozuschlägen und sogar einer Ablehnung führen. Allerdings können Referendare die Öffnungsklausel nutzen, um sich zu erleichterten Bedingungen privat zu versichern.

  • Separate Absicherung von Kindern notwendig

Die PKV bietet keine kostenlose Familienversicherung. Somit müssen Kinder separat abgesichert werden. Doch besteht für sie ebenfalls ein Beihilfeanspruch, weshalb die Beiträge sehr gering sind.

  • Beitragserhöhungen

Die private Krankenversicherung erhöht immer wieder die Beiträge, um auf steigende Kosten im Gesundheitssystem zu reagieren. Jedoch nimmt auch die gesetzliche Krankenversicherung in regelmäßigen Abständen Beitragsanpassungen vor.

  • Vorkasse bei Abrechnungen

In den meisten Fällen müssen Privatversicherte bei Behandlungen in Vorkasse gehen, ehe sie von ihrem Versicherer beziehungsweise der Beihilfestelle die Erstattung erhalten.

  • Erschwerte Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung

Eine PKV ist eine Entscheidung für das Leben. Denn die Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung ist nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Referendare können jedoch in die GKV zurückkehren, wenn sie nach dem Referendariat ein Angestelltenverhältnis eingehen, bei dem ihr Einkommen unter der Versicherungspflichtgrenze liegt (2020: 62.550 Euro im Jahr).

In diesem Artikel wird erklärt, wie Privatversicherte nach dem Referendariat in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln können.

  • Nachteile bei einem Versichererwechsel

Ein Versichererwechsel ist nur in wenigen Fällen sinnvoll. Denn dabei verlieren die Kunden einen Großteil ihrer Altersrückstellungen, wodurch der Beitrag im Alter stark ansteigt.

Zusammenfassung

Vorteile der PKV Nachteile der PKV
-Beihilfeanspruch bleibt bestehen -Gesundheitsprüfung
-Höherer Leistungsumfang -Keine kostenlose Mitversicherung von Kindern
-Schnellere Terminvergabe bei Fachärzten -Beitragserhöhungen
-Freie Arzt- und Klinikwahl -Vorkasse bei Leistung
-Neue, innovative Behandlungsmethoden -Erschwerte Rückkehr in die GKV
-Leistungsgarantie Nachteile bei Versichererwechsel
-Individuelle Tarifgestaltung
-Beitragsrückerstattung bei Leistungsfreiheit

Die Vorteile einer gesetzlichen Krankenversicherung im Referendariat

  • Einkommensabhängiger Beitrag

Der Beitrag für die gesetzliche Krankenversicherung ist abhängig vom Einkommen. Somit zahlen Referendare mit einer geringen Besoldung einen niedrigen Beitrag.

  • Keine Gesundheitsprüfung

Die GKV führt keine Gesundheitsprüfung durch. Zudem besteht ein Annahmezwang. Das bedeutet, die Kassen müssen Antragsteller unabhängig von Vorerkrankungen versichern – ohne Risikozuschläge oder Leistungsausschlüsse.

  • Direkte Leistungsabrechnung mit dem Arzt

Die Leistungsabrechnung erfolgt bei Kassenärzten direkt mit der Krankenkasse. Die Versicherten müssen somit nicht in Vorkasse gehen.

  • Kostenlose Mitversicherung von Kindern

Die Krankenkassen bieten die beitragsfreie Familienversicherung. Damit lassen sich Kinder mindestens bis zum 18. Lebensjahr kostenlos mitversichern. Während ihrer Erstausbildung auch über diese Altersgrenze hinaus.

  • Einfacher Wechsel der Krankenkasse

Der Wechsel einer Krankenkasse ist mit keinen Nachteilen verbunden. Versicherte können unter Einhaltung der geltenden Fristen somit jederzeit den Anbieter wechseln.

Die Nachteile einer gesetzlichen Krankenversicherung im Referendariat

  • Beihilfeanspruch entfällt

Da die gesetzliche Krankenversicherung keine speziellen Tarife für Beamte vorsieht, entfällt bei der Wahl für die GKV der Beihilfeanspruch der Referendare.

  • Allgemeingültiger und meist geringerer Leistungsumfang

Der Versicherungsschutz der Krankenkassen ist gesetzlich festgelegt und gilt für alle gleich. Lediglich durch die Bonusprogramme der Kasse können sie abweichen. Doch im Allgemeinen ist der Versicherungsschutz der GKV meist geringer als mit einem guten PKV-Tarif.

  • Hohe Kosten für Gutverdiener

Da die Kosten der GKV einkommensabhängig sind, müssen Gutverdiener hohe Beiträge zahlen. Wohingegen Beihilfetarife verhältnismäßig preiswert sind. Daher ist die private Krankenversicherung für Beamte meist sogar günstiger.

  • Keine freie Arzt- und Krankenhauswahl

Gesetzlich Versicherte haben keine freie Arzt- und Klinikwahl. Entscheiden sie sich beispielsweise für einen Arzt ohne Kassenzulassung, müssen sie die Mehrkosten selbst tragen.

  • Unterbringung im Mehrbettzimmer bei Klinikaufenthalten

Bei Klinikaufenthalten sieht die gesetzliche Krankenversicherung für ihre Mitglieder die Unterbringung im Mehrbettzimmer vor.

Zusammenfassung

Vorteile der GKV Nachteile der GKV
-Günstig für Geringverdiener -Kein Beihilfeanspruch
-Keine Gesundheitsprüfung -Teuer für Gutverdiener
-Kostenlose Familienversicherung -Kein individueller Leistungsumfang
-Direkte Leistungsabrechnung -Maximal gesetzliche Regelversorgung
-Einfacher Krankenkassenwechsel -Keine freie Arzt- und Krankenhauswahl
-Unterbringung im Mehrbettzimmer

Fazit: Privat oder gesetzlich versichern im Referendariat?

Die Frage, privat oder gesetzlich versichern im Referendariat, lässt sich nicht pauschal beantworten. Denn beide Gesundheitssysteme bieten Vor- und Nachteile. Welche dabei überwiegen, muss individuell betrachtet werden. So kann die GKV für Referendare mit Kindern aufgrund der beitragsfreien Familienversicherung durchaus sinnvoll sein. Allerdings besteht für privat versicherte Beamte ein Beihilfeanspruch, weshalb sie nur eine Restkostenversicherung benötigen. Und diese Beamtentarife sind sehr preiswert, häufig sogar günstiger als die Mitgliedschaft in der GKV.

Für den passenden Versicherungsschutz muss also jede Situation individuell betrachtet werden. Und nur wenn die Wünsche und Bedürfnisse der Referendare Berücksichtigung finden, lässt sich eine bedarfsgerechte Absicherung auswählen. Als Versicherungsexperte bin ich Ihnen gerne dabei behilflich, die richtige Krankenversicherung für Ihr Referendariat zu wählen. Rufen Sie mich dafür gerne an oder vereinbaren Sie einen Termin über mein Kontaktformular.

Logo2x
Alexander Kuhlen - Versicherungsmakler Versicherungsmakler Köln, Private Krankenversicherung, Berufsunfähigkeit hat 4,90 von 5 Sternen 180 Bewertungen auf ProvenExpert.com